Work-privacy-conflict

Vielleicht bedarf es tatsächlich dieses neuen Kunstwortes, um ein hinreichend bekanntes Phänomen zu etikettieren und damit in das öffentliche Bewusstsein zu bringen: Von den nicht-Lehrkräften wurden schon immer die Lehrenden beneidet, 'früher' als die übrigen Beschäftigten nach Hause gehen zu können, allerdings war der Preis für die Lehrkräfte schon zu Zeiten der Halbtagsschulen hoch - in der Regel nahm niemand die Lehrkräfte wahr, wenn sie u.U. bis tief in die Nacht hinein zu Hause über Korrekturen und Vorbereitungen saßen und häufig mit dem Gefühl ins Bett gingen, für den nächsten Tag nicht 'fertig' zu sein. Arbeitsmedizinisch beinhaltet eine solche Arbeitsorganisation die bekanntermaßen krankmachende Struktur, zwischen privater und beruflicher Sphäre keine klare Trennung zu haben - und endlich gibt es spätestens seit der großangelegten Studie in BaWü aus 2012 dafür das neue Zauberwort des Word-privacy-conflicts, kurz genannt WPC.

54066 Lehrkräfte wurden im Ländle befragt (das sind etwas mehr als die Hälfte aller!) und heraus kam, dass dieser WPC den größten Einfluss auf die gesundheitliche Belastung der Lehrkräfte hat - so zumindest das eindeutige Befragungsergebnis. Und dieses kann man auch grafisch deutlich machen:

   Grafik: Beziehung zwischen “Work-privacy conflict” und Gesundheitszustand. Je höher der WPC-Index, desto schlechter der Gesundheitszustand  (Grundlage: 54.066 Lehrkräfte)  

Quelle: Nübling u.a.: Personenbezogene Gefährdungsbeurteilung an öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg 2012; hier Abb.36

Kommentar der Autoren: "Einer Verbesserung des WPC um 10 Punkte entspricht eine Verbesserung des Gesundheitszustandes um 3 Punkte, d.h. wenn es in einer Schule, einer Gruppe von Schulen oder einer sonstigen Gruppe von Lehrkräften durch geeignete Maßnahmen gelingt den WPC um 10 Punkte zu verringern, dann steigt der Gesundheitszustand um rund 3 Punkte."

 

 

 

 Diese Erhebungsergebnisse entsprechen im Wesentlichen den Erkenntnissen der Schaarschmidt-Studie 2003-07, der etwa 60% der Lehrerschaft bei 17.000 Befragten in 14 BuLäs als risikobehaftet bzw. burnoutgefährdet einstufen musste, und zwar deutlich mehr als in anderen Berufsgruppen:

Bei der bundesweiten Untersuchung mussten 59% der Lehrerschaft den burnoutgefährdeten Risikogruppen zugeordnet werden.

Die gleichen Erhebungsmethoden führten im Goethe-Gymnasium in HH nach Einrichtung der individuellen Lehrerarbeitsplätze zu signifikant besseren Ergebnissen nach zweimaliger Totalerhebung durch Prof. Schaarschmidt 2008 und 2012:

Muster G: Stärkeres (nicht exzessives) berufliches Engagement, höhere Widerstandsfähigkeit und positive Emotionen

Muster S: geringeres Engagement bei wenig Auffälligkeiten in den übrigen Bereichen

Risikomuster A: überhöhtes Engagement, verminderte Widerstandsfähigkeit und eher negative Emotionen

Risikomuster B: Überforderungserleben, Erschöpfung und Resignation

 

Es ist auffällig, dass nach mehreren Jahren Praxis (2012) im Umgang mit dem Prinzip 'ein Arbeitsplatz für jede Lehrkraft in der Schule', sowohl das Muster G doppelt so stark vertreten ist wie in der bundesweiten Studie, als auch dass die Zugehörigkeit zum Risikomuster A weit weniger als halb so oft auftritt im Vergleich zur bundesweiten Untersuchung.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlichungen zum Thema Lehrerarbeitsplätze

Tegge, Egon: Die Einrichtung individueller Lehrerarbeitsplätze - eine kleine Umstrukturierung mit großen Folgen. In: Maschke, Sabine u.a.. Jahrbuch Ganztagsschule 2015, Schwalbach 2015, S. 118-123.

Feste Lehrerarbeitsplätze in der Schule (PÄDAGOGIK 1/ 2013, Beltz)

Neumann, Eva: Inseln des Rückzugs in: pluspunkt (Magazin für Sicherheit und Gesundheit in der Schule), 1/ 2013

Otto, Jean­nette: Nach­sitzen! : Ar­beits­be­din­gungen in der Schule. In: Die Zeit (2010-04-15), Nr. 16.

Kusch­ne­reit, An­dreas: Leh­rer­ar­beitsplätze in der Schule. In: Ham­burg macht Schule 22 (2010), Nr. 3, S. 44–45. (PDF, ca. 4 MB, Quelle: www.ham­burg.de/ham­burg-macht-schule)

Schaarschmidt, Uwe/Fischer, Andreas: Die Lehrerarbeitsplätze am Goethe-Gymnasium in Hamburg - Eine Bilanz. Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus einer Befragung der Kolleginnen und Kollegen. Wien 2009

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   Mitschnitt auf Youtube
tv-talk zwischen E. Tegge und Prof. Tenorth im spiegel-tv: sos-schule-talk
ZEIT-Artikel vom 26.01.2012: Hungernde Seelen. Psychotherapeuten ans Gymnasium? Schulleiter Egon Tegge über den Versuch, seinen Schülern ohne Umwege zu helfen.
Download als Arbeitsblätter in: ZEIT für die Schule, Lehrernewsletter: November: Voll gestresst? Psychische Probleme bei Schülern

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