Vollzeit oder Teilzeit

Die Rahmenbedingungen für die Wahl von unterschiedlichsten zeitlichen Verpflichtungen sind im Lehrerberuf bundesweit vorbildlich: Denn wohl in kaum einem anderen Beruf sind verschiedenste Teilzeitmodelle mittlerweile so etabliert.

Teilzeitmodelle
Je nach Bundesland zwar im Einzelnen verschieden können die Lehrkräfte den Umfang ihrer Arbeit selbst bestimmen – natürlich reduziert sich proportional auch das Gehalt und die Altersversorgung. Einzige Bremse ist die rechtliche Möglichkeit der Dienstvorgesetzten, die gewünschte Teilzeit (bei beamteten Lehrkräften!) aus Gründen der Unterrichtsversorgung nicht zu genehmigen, allerdings ist eine solche Entscheidung mitbestimmungspflichtig und würde in der Regel auch innerhalb der Kollegien ziemlich böses Blut machen.

In den meisten Bundesländern, die die Arbeitsbemessung nach Pflichtstunden organisieren, wird also bei einer vollen Stelle ein Deputat von z.B. 26 Unterrichtsstunden erwartet, hat eine 50%ige Stelle dann 13 Unterrichtsstunden zu absolvieren. Auch andere Arbeitsverpflichtungen von z.B. 16 oder 18 Unterrichtsstunden wären denkbar, das Gehalt usw. betrüge dann 16/26tel oder 18/26tel.

In Hamburg gibt es auf Grund des sog. Arbeitszeitmodells eine noch differenziertere Regelung, hier geben die Lehrkräfte lediglich eine Prozentzahl an (z.B.  30 oder 72%), die zu leistende Arbeit kann dann je nach den zugeteilten Klassen und zugeteilten sonstigen Aufgaben sich sehr verschieden zusammensetzen.
Mit dieser Regelung ist insbesondere eine sehr unterschiedliche Gewichtung zwischen Familienarbeit und beruflicher Verpflichtung möglich, zumal auch noch – zumindest in HH – bei Teilzeitkräften bis zu 75% der Anspruch auf einen freien Tag besteht und bis zu 66 % sogar auf deren zwei. Dazu wurde 2003 eine Dienstvereinbarung zwischen den Personalräten und der Behörde abgeschlossen, die bis heute gilt.

Diese Regelungen ermöglichen innerhalb des Berufslebens auch eine häufige (jährliche) Neuausrichtung der persönlichen Belastung, insbesondere wenn Belastungsfaktoren außerhalb der beruflichen Sphäre vorhanden sind.

 

 

Arbeitsspitzen und Ferienregelung

 Diese Struktur könnte sich auf die Gesundheit der Lehrkräfte sehr positiv auswirken, gäbe es da nicht die äußerst ungleiche und damit ungesunde Verteilung der Arbeit über das Jahr mit extremen Arbeitsspitzen und komplementären Ferienzeiten. Die Zusammendrängung der durchschnittlich 1770 Jahresarbeitsstunden auf 38,5 Schulwochen - vorausgesetzt man will die 12 Wochen Ferien arbeitsfrei halten - dürfte alles andere als gesundheitsfördernd gelten. Andere Organisationsformen der Verteilung der Arbeit über das Schuljahr sind allerdings gegenwärtig unter Lehrkräften nicht einmal diskutierbar. Z.B. wäre es denkbar, bestimmte Prüfungsblöcke von SchülerInnen in die Ferien (wie in Frankreich) zu legen, um die Ballung solcher Zeiträume mit dem Kerngerschäft zu vermeiden. Lehrkräfte wären dann ggf. umschichtig in Ferienzeiten tätig, hätten dann aber nicht mehr solche extremen Arbeitsspitzen wie gegenwärtig während des Abiturs oder anderer Prüfungen. Aber bei dieser Frage gibt es nicht nur Strukturkonservativismus auf Lehrerseite, sondern vor allen Dingen auch ein erfahrungsbasiertes Misstrauen der Lehrkräfte gegenüber dem behördlichen Arbeitsgeber, auf eine solche Weise noch mehr Arbeit in die Kollegien hineinzudrücken.



In Hamburg: Sabbatjahrmodelle
Ebenfalls sehr positiv sind die mittlerweile überall etablierten Sabbatjahrmodelle, die ein in der Regel einjähriges Ausscheiden der Lehrkraft ermöglichen, indem in den Vorjahren durch eine geringere Bezahlung bei voller Arbeit soviel Geld angespart wird, dass die gleichförmige Bezahlung der Lehrkraft auch im Freistellungsjahr erfolgen kann. Selbstverständlich ist dies auch mit Einbußen bei den Altersanwartschaften verbunden, der Anspruch auf Leistungen aus der Krankenversicherung/Beihilfe bleibt allerdings bestehen.
Auch dieses Modell kann sich auf die Gesundheitserhaltung während des gesamten Arbeitslebens sehr positiv auswirken.

Viele Lehrkräfte nutzen das Sabbatjahrmodell auch für ein früheres Ausscheiden vor Erreichen der Altersgrenze, indem sie ein oder gar mehrere Jahre durch vorherige Vollzeitarbeit ansparen. Vorteilhaft dabei ist, dass die Absicherung über die Beihilfe (bei beamteten Lehrkräften) in der Regel weiterläuft und die hohen lebenslangen Abschläge infolge einer vorzeitigen Pensionierung abgemildert oder gar ganz verhindert werden können.

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