Teamarbeit - Thesen                            
1. Beschreibung der Lage
1.1 Für die zunehmende Individualisierung des Lernens auf Seiten der Kinder ist eine Rollenauffassung der Lehrkraft als ‚Einzelkämpfer’ nicht mehr angemessenen und zeitgemäß. Sie beinhaltet eine unrationelle Verteilung der Arbeitszeit und verhindert ein Nachdenken über die sinnvolle Aufteilung des Zeitbudgets für die Kerntätigkeiten im Lehrerberuf. Das Beharren auf dieser Jobauffassung führt zu weiterer Überlastung, dem zunehmenden Gefühl, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein, und macht mittelfristig krank.
 
1.2 Differenziertes Lernmaterial für mehrere Lernniveaus in einer Lerngruppe vereinzelt zu entwickeln, ist dauerhaft nicht leistbar. Damit werden viel zu hohe Zeitanteile für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts verwendet, so dass nicht mehr ausreichend Zeit für die beziehungsorientierte Arbeit als Mentor, Lernbegleiter oder Lerncoach auf Seiten der Kinder abrufbar ist. Das gilt sowohl für Gruppen mit weniger lernfähigen SchülerInnen wie auch für Gruppen mit höher begabten, so dass die Gruppenzusammensetzung ein individuelles Lernarrangement erforderlich macht. Dieses Problem wird durch eine flächendeckende Inklusion wesentlich verschärft.
1.3 Die Einbeziehung elektronischer Medien in Form von ausgezeichneten Instruktions-, Demonstrations- oder Erklär- und Nachschlageangeboten wird strukturell bei weitem nicht im vorhandenen Maße genutzt – das im Internet vorhandene Angebot steigt wesentlich schneller als seine Nutzung. 

2. Vorteile der Teamorientierung 
2.1 Teamarbeit ist wesentlich rationeller, da erarbeitete Unterrichtsmaterialien, Aufgabenstellungen und Verfahren zur Leistungsüberprüfung durch alle Lehrkräfte eines Teams, Jahrgangs etc. genutzt werden können und folglich unnötige Doppelarbeit bei der Vorbereitung entfällt. 
2.2 Teamarbeit ist effizienter, da gemeinsame und abgestimmte Vorbereitung die Qualität des Materials steigert und eine Standardisierung der Qualitätskriterien mit sich bringt. 
2.3 Teamarbeit ist pädagogisch wirksamer, da Regeln und Normen in den Lerngruppen eines Teams vereinheitlicht sind, es über eventuell notwendige Sanktionen verbindliche Absprachen gibt und die geforderten Leistungsstandards transparent sind. 
2.4 Teamarbeit ist für die Lehrkräfte entlastend, da die Zuständigkeit und Verantwortung für bestimmte Prozesse verteilt werden und zugleich eine offene Diskussion über Probleme und Schwierigkeiten stattfinden kann. 
2.5 Teamarbeit führt zu einer stärkeren ‚corporate indentity’, da die Arbeit das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe stärkt.

3. Zu schaffende Voraussetzungen für eine nachhaltige Implementierung der Teamarbeit 
3.1 In jeder Schule müssen (z.B. entsprechend der Anzahl der Vollzeitstellen, vgl. BaWü Schulbauförderrichtlinien, Gymnasien oder Grundschulen ) Arbeitsräume in der Schule vorgehalten werden, die personalisiert vergeben werden und nicht mehr als 6-8 Personen aufnehmen müssen. Ob dieses Teamarbeitsräume (Jahrgänge, Fachteams o.ä.) sind, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Eine Trennung der Funktionen (1. ruhiges Arbeiten / 2. Kommunikation im Team / 3. Zusammenkommen im Sozialraum) ist grundsätzlich bereits baulich einzurichten. Das Klassenraumprinzip (Kabinettsystem) führt eher zur nicht teamförderlichen Vereinzelung der Lehrkräfte und ist folglich nicht zielführend. 
3.2 Es muss eine schulbezogene Datenbank für Lernmaterial etc. vorgehalten werden, auf das die Lehrkräfte mit gestaffelten Lese- und Schreibrechten Zugriff erhalten. Austauschmöglichkeiten mit anderen Schulen sind vorzusehen, die Lehrkräfte müssen verpflichtet werden, diese Datenbanken zu bestücken und zu pflegen. 
3.3 Entsprechendes muss für die Gesamtheit der Schülerdaten eingerichtet werden. 
3.4 Letztlich muss der Dienstherr den Lehrkräften ein geeignetes Endgerät (Notebook) zur Verfügung stellen, dass die Nutzung dieser Systeme sicherstellt.
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