Einführung – Lehrerarbeit in der Schule

Was braucht eine Lehrkraft an Räumen in der Schule, um seiner Arbeit nachzugehen? Eine Antwort haben Generationen von Architekten auf Geheiß der Bildungsministerien gegeben. Es werden zur Verfügung gestellt:

- Unterrichtsräume (Klassen- oder Fachräume)
- Sammlungs- und Vorbereitungsräume für bestimmte Fächer (Naturwissenschaften, Kunst usw.)
- ein oder zwei Lehrerzimmer zum Aufenthalt und Vorbereitung sowie für Konferenzen
- Sprechzimmer für Beratungslehrer o.ä.
- dazu noch Büros für Schulleiter, ggf. Abteilungsleiter.
- Genau genommen sind natürlich auch die Pausenhöfe, die Sozialflächen in den Gebäuden etc. mindestens bei der Aufsicht ein Arbeitsfeld für Lehrkräfte.

Was bei Schulplanung und -bau bis in dieses Jahrhundert hinein wenig oder gar nicht vorgesehen war und ist, sind:
- Büroräume oder Arbeitsplätze für Lehrkräfte
- eine räumliche Trennung von Pausenaufenthalt und nicht unterrichtlicher Arbeit
- Teambesprechungsräume für kleinere Gruppen
- Rückzugsmöglichkeiten oder Ruheräume.


Spätestens mit der gegenwärtigen Umwandlungswelle von Halbtagsschulen zu Ganztagssystemen entsteht hier ein gigantisches Problem, dass sich vor allem gesundheitlich auswirken könnte – denn das gebaute Arbeitsumfeld der Lehrkräfte entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen.

Allerdings bleiben die Kultusbürokratien aller Bundesländer hier relativ untätig, da jede bauliche Änderung dieses Zustandes gleich ein Millionen-Investitionsprogramm nach sich ziehen würde. Daher verlagert man diese Kosten lieber auf spätere Haushalte in Form von teuren Gesundheitskosten oder gar Frühpensionierungen (aber beide Kostenstellen fallen bei der Organisation der Länderhaushalte nicht im Bildungshaushalt, sondern im allgemeinen Haushalt an!).

Die Lehrkräfte verhalten sich allerdings ähnlich, denn ihnen wird einerseits mit der steuerlichen Absetzbarkeit eines Arbeitsraumes eine Art 'Ablasshandel' angeboten (wobei man sich die Netto-Steuerersparnis einmal ausrechnen sollte: 35 Dienstjahre á 1200€ = 42 000€, davon 30% Steuerersparnis =12 600€; das wären pro Jahr 360€ und pro Monat 30€), was ein ziemlich mickriges Schmerzensgeld für die erhebliche gesundheitliche Belastung eines überfüllten Lehrerzimmers darstellt; zugleich sind 30€ pro Monat auch nicht gerade der Betrag, für den man in den Großstädten ein zusätzliches Zimmer in der Mietwohnung mieten kann oder der den Kauf/Bau eines Eigenheimes nun echt erschwinglich machen würde. Andererseits ist die Ausstattungsfrage mit Arbeitsplätzen in der Schule kein Thema für Gewerkschaften und Berufsverbände - offenbar wirkt die ursprüngliche Halbtagsjob-Sichtweise noch lange nach, obwohl die Einführung der Ganztagsschulsysteme mit einer ungeheuren Rasanz um sich greift.

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